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zaehler
Biologie

Auf dieser Seite werden Sie in Kürze alles Wissenswerte über Biologie und Ökologie von Degus erfahren. Behandelt werden:

Systematik und Verbreitung
Steckbrief
Nahrungsaufnahme
Verhalten in der Natur
Degus als Heimtiere
 

Systematik und Verbreitung

Familie

Trugratten (Octodontidae = Achtzähner)

Gattung

Strauchratten (Octodon)

Art

Degu (Octodon degus[]) In Südamerika gibt es vermutlich drei weitere Arten aus dieser Gattung: - Küsten-Degu (Octodon lunatus), Wald-Degu (Octodon bridgesii), Pazifik-Degu (Octodon pacificus)

Geogr. Verbreitung

Zentralchile (zwischen Vallemar und Curicó), von der Küste bis ca. 2000 m.

Lebensraum

Mittelchilenische Buschwaldzone (Matorral), vergleichbar der Macchie des Mittelmeerraumes. Landschaften mit lockeren Gebüschen und einer Trockenzeit von Januar bis Juli. Auch im Kulturland in Hecken und Gebüschen.

Steckbrief

Körperlänge
Schwanzlänge

12-16 cm, Neugeborene: 4-5,5 cm
etwa 12 cm, Neugeborene 3-4 cm

Physiologische Daten

Gewicht:                         Wilddegus: 250 – 300 g/ als Heimtier: 170 -340 g
Geburtsgewicht:           14 bis 20  g
Körpertemperatur:       38,1 – 39,5 ° C
Futterverbrauch:           ½ kleine Tasse Trockenfutter /Tag/Tier
Wasserverbrauch:        10 -20 ml/Tag/Tier

Farbe

Unterfell dunkelbraun, zu den Spitzen hin heller werdend. 
In der Literatur werden blaue bis blaugraue, schwarze und weißgefleckte wildfarbene Farbvarianten erwähnt.

Körperform

Kopf rundlich mit langen Schnurrhaaren und dünnen, großen, äußerlich behaarten, runden  Ohren, im Gegenlicht durchscheinend mit einzelnen Adern; große schwarzglänzende Augen mit hellem Augenring;
Körper langgestreckt, seidig und dicht behaart, Hinterfüße verlängert;
Schwanz lang ,borstig behaart und am Ende mit Haarquaste; Tasthaare auch auf dem Rücken, Zehen mit scharfen Krallen und einem verlängertem Haarsaum.

Zähne

Der Name Octodon (Achtzähner) bezieht sich auf die Kaufläche der Backenzähne, die von oben betrachtet die Form einer „8“ haben

Lebenserwartung

im Durchschnitt drei bis fünf Jahre (sehr selten bis10 Jahre)

Geschlechtsreife

Ab 6 Monate

Zykluslänge

Kein regulärer Östruszyklus, der Zyklus wird durch Männchenkontakt ausgelöst

Trächtigkeitsdauer

87-93 Tage

Zahl der Jungen

1 - 10 (im Mittel 5)

Absetzalter

5.-6. Woche (8. Woche)

Wurfabstand

82 bis 86 Tage, meist zwei Würfe pro Jahr

Säugezeit

4-6 Wochen (mindestens 14 Tage)

Zitzenzahl

4 Paare

Nahrungsaufnahme

Die Nahrung der Degus besteht die erste Hälfte des Jahres überwiegend aus grünen Blättern von Gräsern, Kräutern und Sträuchern. Im Herbst werden Vorräte angelegt, obwohl Degus keinen Winterschlaf halten. Diese Vorräte werden besonders in Schlechtwetterperioden genutzt. Vom Hochsommer bis Winter werden Samen, Rinden von Sträuchern und trockene Pflanzenteile gefressen.
Degus verbringen 5-6 Stunden am Tag mit der Nahrungsaufnahme. Die Hauptaktivitätszeiten liegen dabei in der Morgen- und Abenddämmerung. Besonders im heißen Sommer nutzen die Degus diese kühleren Tageszeiten. Im kühlen Winter wird dagegen oft  in der Mittagssonne gefressen, um Temperaturverluste zu vermeiden. Während der Fortpflanzungszeit haben die Degus einen höheren Energiebedarf als die restliche Zeit des Jahres. Der Energiegehalt der Degusnahrung ist sehr gering. Degus nehmen daher viel Nahrung zu sich.
Innerhalb der Degusreviere gibt es bevorzugte Futterplätze, die immer wieder aufgesucht werden. Diese Plätze wechseln je nach Jahreszeit. Im heißen Hochsommer (bei Sonnenaufgang 10o C und mittags 47o C) sind es vor allem Plätze mit viel trockenen Kräutern und Gräsern. Im regenreicheren Winter (Höchsttemperaturen 25 bis 31o C) überwiegen die Plätze mit grüner Vegetation.
Die Aktivitäten der Degus beschränken sich auf die Zeit des Tageslichtes.
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Verhalten der Degus in ihrer natürlichen Umgebung

Degus sind in Familienverbänden lebende Nagetiere. Die Familiengruppen bestehen aus einem bis zwei Männchen und zwei bis fünf Weibchen und ihren Jungen. Die erwachsenen Jungen verlassen im Herbst die Baue und gründen eigene Familien.
Durch das Zusammenleben in Gruppen teilen die Degus ihr Territorium und die Futterreserven miteinander und können sich besser gegenseitig vor Feinden warnen. So leben Degus in offenem Gelände in größeren Familienverbänden als ihre Artgenossen, die dichtere Vegetation besiedeln. Die Siedlungsdichte der Degussippen schwankt je nach Nahrungsangebot erheblich. Es sind Werte von 2 bis 1033  Degus pro ha gefunden worden. Durchschnittswerte liegen bei 40-80 Individuen pro ha.
Innerhalb dieser Familienverbände pflegen Degus ein komplexes Sozialverhalten. Die Rangfolge in der Sippe ist streng hierarchisch aufgebaut und wird vom ranghöchsten Tier angeführt. Bei kühler Witterung rücken die Degus dicht zusammen, um so den Wärmeverlust zu reduzieren. Ein einzelner Degu hat einen höheren Wärmeverlust als ein Tier im Familienverband.  Degus haben ein ausgeprägtes Sozialgefüge, das sich in wechselseitigem Kraulen und durch eine Vielzahl von Kontaktlauten äußert.
Außerhalb der Paarungszeit werden auch Tiere anderer Sippen im Revier geduldet. Nicht jedoch in der Paarungszeit. In dieser Zeit kann es zu Revierkämpfen zwischen ranghohen Männchen verschiedener Sippen kommen. Die Tiere jagen und bespringen sich und trommeln mit den Vorderfüßen gegeneinander bis ein Tier die Flucht ergreift. Das eigene Territorium wird durch Urinmarken, die UV-Licht reflektieren, abgegrenzt. Diese UV-Reflektionen können von den Degus optisch wahrgenommen werden.
Die unterirdischen Baue - oft unter schützendem Gebüsch liegend – bestehen aus mehreren Kammern. Die Degus legen ihre Baue besonders in den Wintermonaten an, wenn das Erdreich nach Regenfällen weicher geworden ist. Zum Graben werden die Vorderpfoten und die Zähne benutzt. Hin und wieder wird das Graben unterbrochen, um loses Erdmaterial aus dem Bau zu schaffen. Der Durchmesser der Gänge beträgt 8-10 cm und sie erreichen Tiefen von 15 bis 60 cm und eine Länge von bis zu mehr als zwei Metern.
Die Baue werden vor dem Eingang mit Dung, Hölzchen oder Steinen, die den Duft der Sippe besitzen, markiert. Das ranghöchste Männchen sitz oft auf diesen Markierungshügeln (Feldherrnhügel) und hält Ausschau nach Rivalen. Die Größe dieser Markierungshügel spiegelt die Ranghöhe des jeweiligen Männchens wieder. Wird der Hügel zerstört, so verliert das Männchen seinen sozialen Rang.
Die Umgebung der Eingänge ist i. d. R. frei von Vegetation. Hier werden Staubbäder genommen und soziale Verhaltensweisen gepflegt. Staubäder werden gerne und oft wahrgenommen. Sie dienen zur Reinhaltung des Felles und auch zur sozialen Kommunikation. Auch diese Sand- bzw. Staubbadeplätze werden von den Degus mit Urin markiert. Zur Markierung drückt der Degu seinen Bauch für eine kurze Laufstrecke dicht an den Boden. Beim Markieren werden auch Pheromone abgegeben, die spezifisch für jedes Individuum sind. Die Pheromone geben den anderen Tieren Auskunft über Geschlecht, Empfängnisbereitschaft und den Rang innerhalb der Kolonie. Neben dieser geruchlichen Komponente spielen auch visuelle und akustische Signale eine große Rolle in der Verständigung zwischen den Mitgliedern einer Sippe. Degus verfügen über ein abwechslungsreiches Repertoire an Stimmäußerungen.
Die Vermehrung der Degus beginnt in Chile in der Regel im Herbst mit der Paarung. Dies ist die Zeit, in der Tag und Nacht etwa jeweils 12 Stunden lang sind. Degus reproduzieren in der Regel in Chile nur einmal pro Jahr (anders als in der Heimtierhaltung). Die Jungen erscheinen im späten Frühling das erste Mal außerhalb der Baue.  Im Bau bilden Degus Gemeinschaftsnester, in denen sich mehrere Weibchen um die Jungen kümmern. Fremde Weibchen werden vertrieben. Es ist bei Degus niemals beobachtet worden, dass sie ihre Jungen töten – im Gegensatz zu einigen anderen Nagetieren, bei denen dieses Fehlverhalten auftreten kann. Es wurde bisher auch kein aggressives Verhalten von nicht verwandten Sippenmitgliedern gegenüber Jungtieren beobachtet.
Zu den Feinden der Degus gehören Greifvögel, Eulen und Füchse. Wird ein Degu am Schwanzende ergriffen, so reißt die Schwanzhaut ab und der Degu kann entkommen. Degus haben ein ausgeprägtes Warnsystem. Ständig halten Tiere Ausschau nach Feinden und warnen ihre Artgenossen durch schrille Pfiffe. Auch hier ist der Familienverband von großem Vorteil, da Feinde so leichter entdeckt werden. Bei Gefahr flüchten die Degus sofort in ihre Baue. Man hat bei einem 180 g schweren Degu eine Höchstgeschwindigkeit von 4,9 m/s festgestellt. Normale Geschwindigkeiten liegen zwischen 0,8 und 3,4 m/s. Man kann zwei Bewegungsarten unterscheiden: den langsamen Trott und  schnelle Sprünge. Der Schwanz wird dabei typischerweise in die Höhe gebogen.

Große Sippenverbände bringen aber auch Nachteile für die Population mit sich. Krankheiten können sich besser ausbreiten und es kann zu Stress und Rangkämpfen zwischen den Tieren kommen. Insgesamt überwiegen die Vorteile der Familienverbände aber bei Weitem die Nachteile. [zurück]

Degus in Heimtierhaltung: Der perfekte Tag!

In den Morgenstunden:
Degus zeigen in der freien Wildbahn diesen Tagesablauf: in den Morgenstunden und den späten Nachmittagsstunden haben sie ihre Hauptaktivitätslevel. Die als Heimtiere gehaltenen Degus orientieren sich in groben Zügen am Tagesablauf ihres Halters, wobei es zwischen verschiedenen Gruppen (Männchen oder Weibchen, Gruppengröße) deutliche Unterschiede gibt. Bei allen Tieren handelt es sich um Individuen, deren Charakter und Verhalten entsprechend verschieden ist.
Eigentlich ist die Mehrzahl unserer Degus Spätaufsteher. Die Nacht haben sie z. B. gemeinsam in der ganzen Gruppe am Käfigboden im riesigen Heunest verbracht. Dort liegen alle eng aneinander gekuschelt, teilweise übereinander gestapelt bis es den ersten Degus aus dem Nest treibt. Das ranghöchste Weibchen hat bei uns z. B. den wärmsten und zentralsten Platz im Nest. Sie liegt oft zu unterst und Töchter und Enkeltöchter oben auf. Langezogen, um ein Vielfaches schlanker (erstaunlich wie lang und schmal sich so in Tier machen kann), krabbelt dann der erste Degus morgens aus dem Nest, wobei meist noch herzhaft gegähnt wird. Selbst was das Gähnen betrifft, zeigen Degus fast menschliche Verhaltensweisen. Nach dem herzhaften Gähnen wird nun die Morgentoilette betrieben: zunächst wird sich ausgiebig unter den Vorderpfoten und an den Seitenflanken gekratzt, meist werden die Seiten auch noch per Gebiss gepflegt. Danach erfolgt noch eine kurze „Wäsche“ des Gesichtes und der Schnurrhaare in dem diese mehrmals in mehrere Richtungen gestrichen werden.
Nun, kann der Tag beginnen. Die restlichen Familienmitglieder folgen danach.
Oft wird danach erst einmal die Futterschale aufgesucht und eine Runde gefressen. Bis alle Mitglieder einer Gruppe dieses „Aufstehprogramm“ absolviert haben, kann durch aus eine Stunde vergehen. Meist wird danach erst einmal der Käfig samt allen Einrichtungsgegenständen inspiziert. I. d. R. beschäftigen die Tieres sich dann untereinander, indem Heu zerfressen, die Einrichtungsgegenstände auf ihre Nagetauglichkeit geprüft werden, gescharrt, gegraben und im Rad gelaufen wird (s. Haltung) oder man einfach wieder nebeneinander liegt, meist dann auf erhöhten Aussichtspunkten im Käfig, wie Rinden oder Hölzer. Dann wird auch erst einmal die Umgebung außerhalb des Käfigs gesichtet. Hält man sich als Halter z. B. dann auch am Käfig oder im Zimmer auf, machen die quirligen Tiere durchaus durch deutliches Nagen und Rappeln an der Käfigtür auf sich aufmerksam und sind sehr an einem ersten Auslauf mit Sandbad interessiert (s. Haltung)
.

Während des ca. 30- minütigen Auslaufs wird zwischendurch auch immer mal der Käfig auf allen Etagen inspiziert. Man badet teilweise auch zu mehreren im Sand oder untersucht alles Zernagbare wie z. B. Zierleisten oder Tapeten oder schaut nach, was sich so auf dem Grund einer Gießkanne befindet.
(Achtung: keine wassergefüllten Gefäße in erreichbarer Nähe für Degus aufbewahren. Ihre Neugierde siegt auch hier und schadet ihnen in diesem Fall).
Gerne wird auch der eine oder andere Halm Zitronengras selbst geerntet. Westindisches Zitronengras (bot. Cymbopogon citratus, engl. Lemon gras) ist ungiftig und besonders die trockenen braunen Triebe werden gerne gefressen. Hier soll das Aroma noch intensiver sein und der hohe Raufaseranteil/Ballaststoffanteil ist ebenfalls positiv. Beim Zitronengras handelt es sich um ein hocharomatisches Süßgras, das besonders in der asiatischen Küche als Gewürz weite Verwendung findet und in einigen Regionen (z. B. Seychellen) auch als Tee getrunken wird. Auch bei Degus kommt es offensichtlich gut an. Man kann es problemlos im Topf selbst ziehen. Da es sich um ein Tropengewächs handelt muss es aber frostfrei überwintert werden.
 

Achtung: beim Auslauf keine giftigen oder stacheligen Pflanzen im Zimmer in Degusnähe belassen. Z.B. kann man Fensterbänke oder Bodenpflanzen durch mobile und ausreichend hohe Abtrennungen (> 1m) für diesen Zweck absperren. Falls Sie sich über die Giftigkeit Ihrer Pflanzen nicht sicher sind, versuchen sie diese anhand eines bebilderten Pflanzen-Ratgebers über heimische Zimmerpflanzen zu identifizieren (s. z.B. auch http://www.botanikus.de). Bei Verdacht auf eine Vergiftung muss sofort der Tierarzt aufgesucht werden.
Nach genügend Auslauf suchen einige Tiere von selbst wieder in den Käfig auf, andere (aber alle handzahm) lassen sich i.d.R. problemlos einfangen. Gerne wird beim Auslauf auch der Besitzer auf seine Tauglichkeit als Klettergerüst einer intensiven Prüfung unterzogen. Auf diese Weise lässt sich zumeist spielerisch und auf Initiative der Tiere hin ein guter Kontakt herstellen.

Mittagspause
Nach einem ersten geschäftigen Treiben benötigen Degus eine ausgiebige Ruhepause. Der Großteil der Gruppe verbringt diese dösend und schlafend zusammen, wobei ein Tier als so genannter „Wächter“ meist auf dem höchsten Aussichtspunkt des Käfigs Ausschau hält. Dieses Verhalten entspricht auch dem natürlichen Verhalten von Degus in der freien Wildbahn. Auf einem sog. „Feldherrenhügel“ hält auch ein Tier nach Feinden etc. Ausschau um im Bedarfsfalle durch Warnpfiffe die übrigen Gruppenmitglieder zu informieren/warnen. Das „Abhängen“ oder „Chill out“ kann sich bis in den frühen Abend hinziehen.

Abendprogramm
Je mehr Zeit und Aufmerksamkeit diesen intelligenten und neugierigen Tieren gewidmet wird, desto wohler fühlen sie sich und desto zahmer werden sie auch. In den frühen Abendstunden sitzen alle Tiere z. B. bei uns auf den verschiedenen Etagen und beobachten ihre Umwelt. Nähert man sich dem Käfig, stürzen alle zur Türklappe hinunter und sind sehr ungeduldig, bis sich die Tür öffnet. Dann zeigt sich eigentlich das gleiche Bild wie unter Verhalten in den Morgenstunden beschrieben.
Degus sind eigentlich tagaktive Tiere. Meist lassen sie sich aber auch freiwillig und ohne Probleme noch spätabends bis in die frühe Nacht (24 Uhr) ansprechen. Sie sollten aber mind. immer  7-8 Stunden Ruhe am Stück bekommen, in der sie nicht gestört werden sollten. Ideal ist es, wenn sie einen eigenen gleichmäßig auf Zimmertemperatur (20-22°C) klimatisierten Raum haben, in dem weder gekocht, noch laute Musik gehört oder Fern gesehen wird. [zurück]

letzte Aktualisierung: 1. Februar 2006

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